Was macht die EZB?

Die Europäische Zentralbank (EZB) beziehungsweise European Central Bank (ECB) ist die offizielle Währungsbehörde der Europäischen Union (EU), politisch aber unabhängig. Die Idee zu dieser Institution entstand bereits 1988, ihre Arbeit nahm sie aber erst 1998 auf. Die EZB erledigt eine Vielzahl von Aufgaben und hat sich hierfür einen eigenen Aufbau und ein großes Repertoire an Werkzeugen zugelegt. Dieser Artikel stellt die EZB, ihre Aufgaben und ihre Arbeitsweisen vor.


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Die EZB erfüllt neben der Preisstabilität der Eurozone noch viele weitere Aufgaben.

Allgemeines zur EZB

Die EZB ist als Währungsbehörde für alle Länder zuständig, die zur Euro-Zone gehören. Bei ihrer Gründung waren das noch die elf Gründerstaaten, seither haben acht weitere Länder den Euro für sich angenommen. Sie ist aus den Landesbanken der einzelnen Mitgliedsstaaten hervorgegangen und hat die Aufgabe, für Preisstabilität in der Währungszone zu sorgen. Das bedeutet unter anderem, dass der Euro zum Erfolgsmodell gemacht und ein Zusammenbrechen der EU verhindert werden soll. Zu diesem Zweck arbeitet die EZB seit nunmehr rund einem Jahrzehnt mit einer Niedrigzinspolitik.

Die Geschichte der EZB reicht bis 1988 zurück

Der Europäische Rat hat sich 1988 zum Ziel gesetzt, eine Wirtschafts- und Währungsunion zu realisieren. Eine Grundidee hierbei bestand darin, die einzelnen europäischen Länder so miteinander zu vernetzen, dass diese eine große, wirkmächtige Gemeinschaft bilden und Streitigkeiten oder gar kriegerische Auseinandersetzungen unwahrscheinlich werden. Die Umsetzung dieses Plans erfolgte in drei Stufen. In der ersten wurde der Warenverkehr innerhalb der EU freigegeben. In der zweiten wurde mit dem Europäischen Währungsinstitut der Vorgänger der EZB ins Leben gerufen und 1998 entstand dann die heutige EZB. In Stufe drei wurde der Euro als Zahlungsmittel in der EU eingeführt. Seither übernimmt die EZB die Aufgabe, sich um die Geldpolitik des Euroraums zu kümmern.

Die EZB steht somit im Geiste eines freien Europas. Einerseits soll durch eine Vernetzung der Mitgliedsstaaten für wirtschaftliche Stabilität gesorgt werden. Die einzelnen Staaten führen Handel miteinander und bereichern sich hierdurch gegenseitig. Außerdem ist die EU ein Friedensprojekt. Es ist unwahrscheinlich, dass einzelne Staaten andere Länder angreifen, wenn in diesen die Kunden ihrer Unternehmen wohnen. Nicht zuletzt sollte ein starkes Europa ein Gegengewicht zu anderen Weltmächten wie den USA, Russland oder (heute) China darstellen. Die Aufgaben der EZB bestehen somit vorrangig darin, dieses Friedens- und Wirtschaftsprojekt voranzubringen.

Das sind die Tätigkeitsfelder der EZB


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Die EZB ist in einer Vielzahl von Feldern tätig.

Im Grunde hat die EZB zwei zentrale Aufgaben: Sie soll für Preisstabilität sorgen und Rezessionen in den einzelnen Mitgliedsstaaten verhindern. Sie ist somit für die gesamte Geldpolitik der Eurozone verantwortlich. Um diese Ziele erreichen zu können, nimmt die EZB eine Vielzahl von Unteraufgaben wahr. Hierzu gehört unter anderem, einen störungsfreien Zahlungsverkehr zu ermöglichen, die einzelnen Staaten mit ausreichend Geld zu versorgen und Devisengeschäfte vorzunehmen. Außerdem gibt sie das Euro-Papiergeld aus, fungiert als Beraterin und verwaltet die Währungsreserven.

Abhängig von den wirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb der Eurozone verfolgt die EZB eine restriktive oder lockere Geldpolitik. Restriktive Maßnahmen sind nötig, um die Geldmenge in der Eurozone zu reduzieren. Das ist beispielsweise dann nötig, wenn eine zu hohe Inflation droht. Eine lockere Geldpolitik, wie sie seit etwa 2011 mit der Niedrigzinspolitik betrieben wird, dient dazu, die Geldmenge der Eurozone zu erhöhen. Hierdurch sollen sich Staaten leichter finanzieren können und Unternehmen und Privatleute einfacher an Kredite kommen. Auf diese Weise soll die Inflation angekurbelt werden, um eine Deflation zu vermeiden. Der Hebel, um diese Ziele zu erreichen, ist jeweils der Leitzins der EZB.

Der Aufbau der EZB

Die EZB ist sozusagen die übergeordnete Bank der Eurozone. Sie gibt ihre Entscheidungen an das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) weiter, in dem sämtliche Nationalbanken der einzelnen Mitgliedsstaaten vereint sind. Letztere sind dann dafür verantwortlich, die getroffenen Entscheidungen praktisch umzusetzen. Während die EZB somit der geldpolitische Kopf der Eurozone ist, sind die Nationalbanken die Hände, die die einzelnen Aufgaben aktiv angehen und die bestehenden Vorgaben umsetzen.

Entscheidungen innerhalb der EZB werden von zwei großen Gremien getroffen: dem Rat und dem erweiterten Rat. Das Direktorium hat dann die Aufgabe, die gefassten Beschlüsse umzusetzen. Dieses wird von EZB-Präsidenten geleitet und dient als Geschäftsführung der EZB. Im EZB-Rat sind Mitglieder des Direktoriums und die Präsidenten der einzelnen Nationalbanken vertreten. Der erweiterte Rat umfasst zudem die Präsidenten der Nationalbanken der Länder, die zwar zur EU gehören, den Euro aber nicht als offizielles Zahlungsmittel nutzen.

Die Werkzeuge der EZB

Da die EZB politisch unabhängig ist, darf sie keinen direkten Einfluss auf die Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten nehmen. Deswegen erfolgt der direkte Einfluss der EZB über die Zinsen. Indem die EZB die Notenbankzinsen erhöht oder senkt, verändern sich die Konditionen, zu denen sich einzelne Länder, Banken und Personen Geld leihen können. Somit ist Geld in der Eurozone abhängig von den Entscheidungen der EZB einfach oder schwer zu bekommen. Die EZB löst durch ihre Entscheidungen somit indirekt Entwicklungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten aus.

Das Zentralbankgeld der EZB wird über sogenannte Offenmarktgeschäfte vergeben. Die einzelnen Geschäftsbanken der EU können für dieses Geld bieten. Diejenigen, die die höchsten Zinsen zahlen, erhalten es dann. Außerdem fordert die EZB von den Banken der Mitgliedsstaaten, dass diese eine Mindestreserve an Kapital zurücklegen. Ferner stellt die EZB ständige Fazilitäten bereit, kauft Wertpapiere am Aktienmarkt ein, interveniert am Devisenmarkt und ist berechtigt, vorbehaltlose geldpolitische Geschäfte zu tätigen. Hiermit ist gemeint, dass die EZB bei Bedarf unbegrenzt viele Anleihenkäufe von Staaten im Euroraum vornehmen darf.

Die EZB ist politisch unabhängig

Die EZB ist zwar für die Geldpolitik der Eurozone verantwortlich, hierbei aber gegenüber der Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten nicht weisungsgebunden. Sie soll sich eine größtmögliche Unabhängigkeit bewahren, um nicht von bestimmten Stellen missbraucht zu werden. Diese Unabhängigkeit betrifft das operative Geschäft, die Institutionen der EZB, ihr Personal und die Finanzen.

Die EZB darf somit ihre geldpolitischen Methoden frei wählen und die Staatshaushalte der einzelnen Länder keinesfalls mitfinanzieren. Der Präsident der EZB hat in der Regel nur eine Amtszeit und Nebentätigkeiten der Mitarbeiter sind zumeist nicht möglich. Nicht zuletzt kann die EZB über die ihr zur Verfügung stehenden Mittel komplett frei entscheiden.

Fazit

Die EZB hat vor allem die Aufgabe, für Preisstabilität in der Eurozone zu sorgen und eine gleichmäßige Konjunkturentwicklung zu unterstützen. Hierfür stehen der Bank viele unterschiedliche Werkzeuge und Hebel zur Verfügung. Die Hierarchien innerhalb der EZB und im Umgang mit den Nationalbanken sind klar geregelt, um ein effizientes und unabhängiges Arbeiten zu ermöglichen.

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